Klein.Laut.Folgen
Samstag, 28. April 2018
Da ist eine ...
... Fernbedienung in mir. Das Fernsehprogramm ist mein Leben. All zu oft werden die jeweiligen Sender samt zugehörigem Videotext aber nicht von mir ausgesucht. In meinem Unterbewusstsein drückt noch immer meine Mutter die Knöpfe, sind meine alten Programme aktiv. Manchmal gefällt mir, was ich dann sehe und erlebe, manchmal fühle ich tiefes Unbehagen, wenn die nächste Sendung, das nächste Programm scheinbar unverhofft und nicht vereinbart - weil außerhalb meines geplanten und gefühlten Sendeplanes - angeknipst wird. Um nicht nur Dramen, Krisen, Raubbaudokumentationen, Zerstörungsszenarien und schwarz-weiß Bilder zu sehen und zu erfahren, muss ich der Regisseur bleiben. Den Sendeplan selbst schreiben.
Dies ist ein enorm schweres und herausforderndes Unterfangen, braucht es doch meine gesamte Achtsamkeit, mein vollkommenes Selbst-Bewusstsein. In Wochen, in denen ich meiner alten Sucht (zu) "viel zu machen, erledigen, angehen, tun" fröne, ist es dann nicht mehr umzusetzen. Das fühle und spüre ich ganz klar und deutlich. Dann suche ich meine Entspannungsmomente im Glas Wein, im nächsten Joint, im nicht Feierabend machen, im weiter laufen. Meine morgendlichen Achtsamkeits-Minuten offenbaren dann ein riesiges Knäuel an Gedanken, die unsinnig umherwuseln und das schon halb acht am Morgen. Die geträumten Träume, in denen ich Menschen erschieße, alte Modderlöcher durchwühle und meine gesamten Beziehungen Revue passieren lasse, kann ich dann schon gar nicht anschauen und würdigen. Der Plan in Ruhe und ohne Ballast aus der Nacht in den Tag zu starten, funktioniert nur so lange, wie ich auch genug geschlafen habe. Pünktlich ins Bett gekommen bin, genug Zeit am Abend hatte um runterzukommen, bevor ich mich meinem Buch widme. Kein schweres Essen, das meinen Körper nicht ruhen lässt und viel Energie für die bloße Verdauung fordert.
Im selben Atemzug bahnt sich meine Ruhebedürfnis seinen Weg nach oben. Dann geht gar nichts mehr, außer konsequenter Rückzug. Dann bin ich trotz 12 Stunden Schlaf tief erschöpft. Stehe schon mit einem niedrigen Energielevel auf. Und jedes Mal weiß ich, ach Mensch, da biste wohl wieder ne Biegung gelaufen, eine Runde im Kreis, wieder an der selben Ausgangsposition auf meinem Weg.

Die Programme in mir anzusehen tut oft sehr weh. Ich sitze bei meiner Therapeutin und weine häufig schon nach den ersten Minuten des Gespräches. Vor lauter Erleichterung. In jeder Stunde, die ich dort sitze und einfach zu spreche, erzähle, mein Geschichte(n) zum besten gebe, werde ich mir bewusster. Bewusster über meine fest verankerten Normen und Werte und Vorstellungen und Erzählweisen. Narrative, die ich mir selbst andichte, andere Erzählstränge die einfach irgendwo im Nichts enden, Anfang und Ende unklar. Ich entdecke Steine auf meinem Weg, Löcher, Abgründe, Klippen und fange noch einmal neu an darüber zu reflektieren, was von all dem heute und jetzt gerade noch zu mir passt. Dazugehören tut alles, aber ich darf noch einmal neu entscheiden, wer Protagonist meinen Erzählungen ist, wie die Dinge und Personen mit einander in Beziehung stehen, welche Rollen eingenommen wurden. Mein tatsächlich neuer Blick fördert zugleich eine Traurigkeit zu Tage. Darüber wie ich mit mir und auch mit anderen in den vergangenen Jahre umgegangen bin. Was ich habe gelten lassen, was nicht. Wer gehen musste, wer blieb. Vieles schien mir schon immer klar, habe ich schon vor vielen Jahren sehr ähnlich formuliert, doch zum ersten Mal kann ich die Worte auch fühlen. Ich weiß nun besser, was ich mit vielen Sätzen in der Vergangenheit sagen oder ausdrücken wollte. Auch hier in diesem Blog.
Die große Stadt erblüht ganz nebenbei. Eine Hau Ruck Aktion mit tollem Ergebnis. Alles ist wieder grün, der Müll und das Grau der Wände verschwinden hinter Fliederblüten und Weidenkätzchen. Die Kräuter sprießen, die Vögel zwitschern. Jeden Tag begebe ich mich nach draußen und genieße die klare Luft, das aufgeregte Tummeln, das Leben.
Die Samen auf meinem Balkon sprießen, der Bärlauch ruft mich ganz laut.


https://www.youtube.com/watch?v=cy9DiOtSzMg

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Freitag, 13. April 2018
Hühnersuppe ...
... geht auch im Frühling.

Sie kocht stundenlang auf dem Herd und erfüllt meine Wohnung mit einem wohligen Duft. Ein Geruch von Führsorge und Heimelichkeit.
Kopf- und Gliederschmerzen lassen mich heut einfach mal krank sein. Krank, weil ich keine große Lust habe ins Büro zu fahren. Ich rocke da täglich soviel Zeug weg, dass ich mir diesen Auszeittag konsequent und ohne schlechtes Gewissen nehme. Am Morgen die erste Sitzung Manuelle Therapie inklusive Fango Packung. Ein wenig steril und Abarbeiten-Atmosphäre aber ich atme und die getriggerten Punkte in meinem Nacken erinnern mich daran, was mir gerade alles zu schaffen macht.
Gestern Abend fühle ich mich gesehen und kann die warme und lösende Umarmung vom Herzbruder gut annehmen.
Morgen werde ich zum Frisör gehen und mal wieder ein wenig Klarheit auf meinem Kopf herstellen. Viel besser als Familienfeier in der Heimat.
Meine zukünftige Therapeutin bestärkt mich in der Distanz und im Kontaktabbruch. Ich kann mich gut einlassen und vor ihr weinen. Ich merke wie sehr die Zeit reif war und ist, um eine völlig unbeteiligte Person mit meinen Erzählungen zu konfrontieren. Im Erzählen erhalte ich schon in der ersten Sitzung viele Anregungen zum weiteren Klar werden.
Mir wird klar, dass in mir drin eine präsente Erzählung von: Familie ist wichtig, Familie lässt man nicht allein, Familie gehört gepflegt, Familie bedeutet Verantwortung zu übernehmen, Familie gibt dir Halt, Familie ist Deine Rückendeckung, Familie ist immer da...
Der Weg fühlt sich richtig und konsequent an. Er lässt mich auf ein Leben voll Vertrauen und Liebe hoffen, v.a. in und mit mir selbst.

Heute zwei gute Dokus im Bett, viel Wärme und dem Leben auf dem Hinterhof lauschen. Ein ausgedehnter Mittagschlaf. Gerade erinnere mich, wieviel Kraft mir die Natur immer wieder schenkt. Schwupps, die neuen Schuhe an die Füße und ein ausgedehnter Spaziergang am Abend; sogar mit Gewitter und Regen, sodass ich mich gerade sehr lebendig fühlen darf. Ein roter Himmel, von Blitzen durchzogen, die Bäume samt den ersten Blättern, die Vögel, die den Takt der Musik vorgeben, die ruhige und dann doch aufgewühlte Wasseroberfläche des Tümpels und keine Menschen.
Morgen soll die Sonne wieder scheinen. Ich habe keine Pläne, seit vielen Wochen das erste Mal, nichts vor. Aufwachen, fühlen und leben.

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Mittwoch, 4. April 2018
POS ...
... Post Abortion Syndrom.

Nun erfahre ich auch noch, dass ich eine Schwester oder einen Bruder gehabt hätte.
Das wird ja immer besser. Hallo, Du schöne Seele, ich hätte Dich gern an meiner Seite gehabt, Dich sehr gern kennengelernt.
Ich wusste bis gestern nichts von Dir. Schade, dass Du nicht auf diese Welt kommen durftest. Deine Mama leidet nun schon seit vielen Jahren an und unter der getroffenen Entscheidung.

Ich erinnere mich zurück, wann hat "es" angefangen, ab wann bin ich mit einer depressiven und psychotischen Mutter aufgewachsen. Alles passt.
Ich war 11 Jahre alt. Ab da wurde wohl alles anders.
Seit dieser Zeit gibt es keine eingeklebten Fotos mehr im Familienalbum. Das erwähne ich gestern ganz beiläufig im Gespräch mit meinem Vater und schwupps, rückt er raus mit der Sprache: na ja, ich weiß ja nicht, ob ich das erzählen darf, aber ...
Nun ein wenig quer gegoogelt und alles passt.
Depressionspsychose v.a. in den Wechseljahren, nach Auszug der Kinder, bei der Konfrontation mit Schwangeren - man gut, dass meine Schwester ein Kind bekommt. Boar ey, so viel Trauma auf einmal habe ich nicht erwartet. Immer mehr. Immer mehr Infos und Abgründe.
Die wenigen Studien und Ausführungen, die es gibt, lassen tief blicken.

Ich versteh die Welt nicht mehr.
Kann nur ich diese Verbindungen sehen? Sieht sie meine Mutter? Sieht sie ihre hoffentlich kontaktierte Therapeutin außerhalb der Klinik? Sind dies Fragen, die ich mir stellen muss, sollte, will?

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Letzte Aktualisierung: 2018.04.28, 10:59
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